Dienstag, 23. September 2008

Der Sinn des Daseins

Das Ende meines ersten Monats in Indien rückt langsam näher und gerade vor der größeren Reise in den Süden des Landes möchte ich ein wenig reflektieren. (Im schlimmsten Fall folgendes bitte als meine letzten Worte ansehen. ;-) )
Viele Kollegen, Freunde, ja sogar meine eigene Familie haben mich in den letzten Monaten gefragt wieso ich nach Indien gehe, wo es doch in anderen Ländern um einiges einfacher und nicht gar so exotisch ist. Meine Antwort blieb immer dieselbe.

Indien ist Chaos, Lärm, mitunter Gestank, mangelnde Privatsphäre, fehlende Hygiene und ein Widerspruch in sich. Doch eben das macht es so interessant. Es gibt hier eine dem westlichen Verständnis her ganz und gar entgegengesetzte Welt. 1,1 Milliarden Menschen, in wenigen Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde, leben in einem demokratischen System zusammen. Die unendliche Vielseitigkeit und die auch daraus resultierende Widersprüchlichkeit hinterlassen den Besucher in einem Paradoxon, einem El Dorado des Aussergewöhnlichen. Ein Ort für den Beginn des Lebens und für das Ende des Sterbens.

Was würde es mir persönlich bringen, wenn ich noch einmal in ein westliches Land gehe, um dort noch ein Auslandssemester zu absolvieren. Inwiefern würde es meine personelle Entwicklung voranbringen. Wie sehr profitiert das eigene Denken, der Mensch in mir.
Mein anderes Auslandssemester an der kanadischen Westküste im stimmungsvollen Vancouver, wo ich einige Jahre zuvor schon ein gesamtes Jahr verbracht hatte, erfüllte damals einen anderen Zweck. Es war ein Abschluss, eine notwendige Rückkehr an einen speziellen Ort, der meine persönliche Entwicklung der letzten Jahre pompös eingeleitet hatte. Hätte ich damals nicht die Chance bekommen, noch vor dem Studium ins Ausland zu gehen, ich wäre heute ein anderer Mensch. Mein Auslandssemester fünf Jahre später war absolut notwendig, um diesem Entwicklungsabschnitt einen Abschluss geben zu können, um den Kreis zu schließen. Mit den universitären Reisen in den Senegal und nach Indien ist der nächste wichtige Schritt eingeleitet worden. Er mag für den Beobachter bei weitem nicht so einschneidend wie der damalige sein, doch wird er sich letztendlich als enorm wichtig, ja sogar als essentiell erweisen.
Ich denke unlängst der Kommentar nach einem Posting hier im Blog vom ideologiepolitisch verwandten Kollegen "SFUler" trifft es da ganz gut. Nur dass nicht jeder Schritt derselbe für denselben sein kann, muss dem noch hinzugefügt werden...

2 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

dass nicht jeder Schritt derselbe für denselben sein kann? ich denk darüber nach... lg, Andeee

Alexei hat gesagt…

wortspiel...damit meinte ich, dass das nicht heissen soll, dass es für jede person genau dieser weg sein muss, sondern jeder für sich selbst herausfinden muss, welcher weg für einen passend ist...