Mittwoch, 17. September 2008

Kino aus dem Einkaufszentrum

Gurgaon muss man sich ungefähr so vorstellen: Tag für Tag schießen immer neue modernste Glastürme in den Himmel, ein neues Shopping Center reiht sich neben dem Nächsten, dazwischen wird gerade die U-Bahn/Hochbahn als Verbindung nach Delhi mit einer riesigen kilometerlangen Baustelle gebaut...doch wohin sind die Slums und dorfähnlichen Strukturen in den letzten 10 Jahren verschwunden? Sie sind noch da, wenn auch dezimiert und geschunden. Ein Shopping Center Komplex endet mit einem Gehsteig und dann folgt...Erde, Gräben, Menschen in Blechhütten, die etwas zu verkaufen versuchen und gleichzeitig da wohnen, Dreck, Schmutz, Gestank. 10 Meter um in eine andere Welt zu gelangen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Klimatisierung der Gebäude, welche einem beim Heraustreten die Hitze wie eine heiße Keule über den Kopf ziehen lässt, durch die Security Guards mit Metalldetektoren und ewig langen Gewehren beim Zutritt zu den Komplexen, wo man sich zwangsläufig wie bei einer Flughafenkontrolle fühlt, durch die Security Guards am Eingang jedes einzelnen Geschäfts, die einem beim Betreten alles abnehmen, durch die Menschen, die entweder Ausländer sind oder aus der oberen indischen Mittelschicht stammen und durch die identen Geschäfte, die man auch in jedem europäischen Einkaufszentrum finden würde.

Gestern Abend gabs einen Kinofilm zu sehen für 2,50 Euro. Auch hier wieder Metalldetektoren vor dem Betreten des Kinosaals und abtasten wie vor einem Wiener Derby im Hanappi Stadion. Ansonsten sah alles mindestens so modern aus wie in Europa und auch die Zuseher verhielten sich unindisch, steril, europäisch konditioniert.

Gurgaon in 10 Jahren wird wiederum ganz anders als heute aussehen.

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