Donnerstag, 25. September 2008

Poker oder Schlaf

Nachdem wir die letzten zwei Nächte großteils durchgepokert haben, am nächsten Morgen jedoch immer Uni hatten, ist nun die große Müdigkeit eingekehrt. Ein Wochenende zum Ausspannen wäre jetzt das Richtige, doch es wartet eine Reise. Morgen Vormittag schon gehts mit dem Flugzeug nach Mumbai und das wird sicher kein entspannendes Wochenende dort. Wahrscheinlich erst danach in Goa und Kerala wird die Zeit zum Entspannen ausreichend vorhanden sein. Vorsorglich hab ich mir schon mal zwei Bücher eingepackt, Verstörung von Thomas Bernhard sowie Schlafes Bruder von Robert Schneider, welche mir u.a. die Zugfahrten verkürzen sollten. Drei von uns fünf sind schon heute Nachmittag mit dem Zug gefahren und werden morgen dann etwas früher als wir restlichen zwei in Mumbai ankommen. Diese 16-stündige Fahrt wollte ich mir noch ersparen, die anderen drei Zugfahrten in den Süden, welche allesamt ebenfalls im zweistelligen Stundenbereich angesiedelt sind, reichen mir allemal.
In 10 Tagen, am Montag, 6.Oktober gegen abend wird unser Flugzeug wieder am Indira Gandhi International Airport landen.

Edit: Gerade eben läutete mein Handy und eine Dame der indischen Billigfluglinie "Spice Jet" unterrichtete mich davon, dass unser Flug morgen früh ausfallen würde. Nun wurden wir umgebucht und fliegen zwei Stunden später ab. Man muss in Indien einfach mit allem rechnen...

Dienstag, 23. September 2008

Der Sinn des Daseins

Das Ende meines ersten Monats in Indien rückt langsam näher und gerade vor der größeren Reise in den Süden des Landes möchte ich ein wenig reflektieren. (Im schlimmsten Fall folgendes bitte als meine letzten Worte ansehen. ;-) )
Viele Kollegen, Freunde, ja sogar meine eigene Familie haben mich in den letzten Monaten gefragt wieso ich nach Indien gehe, wo es doch in anderen Ländern um einiges einfacher und nicht gar so exotisch ist. Meine Antwort blieb immer dieselbe.

Indien ist Chaos, Lärm, mitunter Gestank, mangelnde Privatsphäre, fehlende Hygiene und ein Widerspruch in sich. Doch eben das macht es so interessant. Es gibt hier eine dem westlichen Verständnis her ganz und gar entgegengesetzte Welt. 1,1 Milliarden Menschen, in wenigen Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde, leben in einem demokratischen System zusammen. Die unendliche Vielseitigkeit und die auch daraus resultierende Widersprüchlichkeit hinterlassen den Besucher in einem Paradoxon, einem El Dorado des Aussergewöhnlichen. Ein Ort für den Beginn des Lebens und für das Ende des Sterbens.

Was würde es mir persönlich bringen, wenn ich noch einmal in ein westliches Land gehe, um dort noch ein Auslandssemester zu absolvieren. Inwiefern würde es meine personelle Entwicklung voranbringen. Wie sehr profitiert das eigene Denken, der Mensch in mir.
Mein anderes Auslandssemester an der kanadischen Westküste im stimmungsvollen Vancouver, wo ich einige Jahre zuvor schon ein gesamtes Jahr verbracht hatte, erfüllte damals einen anderen Zweck. Es war ein Abschluss, eine notwendige Rückkehr an einen speziellen Ort, der meine persönliche Entwicklung der letzten Jahre pompös eingeleitet hatte. Hätte ich damals nicht die Chance bekommen, noch vor dem Studium ins Ausland zu gehen, ich wäre heute ein anderer Mensch. Mein Auslandssemester fünf Jahre später war absolut notwendig, um diesem Entwicklungsabschnitt einen Abschluss geben zu können, um den Kreis zu schließen. Mit den universitären Reisen in den Senegal und nach Indien ist der nächste wichtige Schritt eingeleitet worden. Er mag für den Beobachter bei weitem nicht so einschneidend wie der damalige sein, doch wird er sich letztendlich als enorm wichtig, ja sogar als essentiell erweisen.
Ich denke unlängst der Kommentar nach einem Posting hier im Blog vom ideologiepolitisch verwandten Kollegen "SFUler" trifft es da ganz gut. Nur dass nicht jeder Schritt derselbe für denselben sein kann, muss dem noch hinzugefügt werden...

Montag, 22. September 2008

Nächste Reise!

Am Freitag beginnen durch Feiertage und sonstige uniinterne Veranstaltungen 10-tägige Ferien, welche natürlich für eine längere Reise genutzt werden. Zuerst geht es mit dem Flugzeug nach Mumbai, neben Delhi die größte Stadt Indiens. Drei Tage später werde ich zum ersten Mal mit dem Zug reisen, es geht weiter Richtung Süden nach Goa, wo wiederum drei Tage, diesmal mehr Entspannung als Kulturelles, geplant sind. Den Abschluss und dritte Station der Reise bildet Kerala im Süden des indischen Subkontinents, wo wir vier Tage lang die Fauna und Flora Indiens besonders intensiv erleben werden. Dazu werden wir dann auch ein Hausboot mieten, um auf den langen Kanälen umhertreiben zu können. Reiseteilnehmer sind (Nationalität/Geschlecht) 1x Dänemark/m, 1x Frankreich/m, 2x Frankreich/w und natürlich ich 1x Österreich/m.

Sonntag, 21. September 2008

Indische Dekadenz bei Nacht

Gibt es einen Ort in Indien, wo man sich als durchschnittlicher Gast aus dem Westen relativ arm vorkommt und sich die Seiten innerhalb von wenigen Augenblicken eindeutig um 180° drehen? Gestern Abend erlebten wir dieses Szenario im Herzen von Neu Delhi im pompösen 5 Sterne Hotel "The Ashok". Der Nachtklub selbst erinnerte vom Aussehen her stark an Sex and the City und das Publikum erwies sich als indische Oberschicht. Ein Getränk bekam man ab 8 Euro aufwärts, wobei man den Eintritt von knapp 30 Euro in Form von Getränkecoupons wieder zurückbekam. Da ich nicht so viel ausgeben wollte, versuchte ich einige meiner Coupons an der Bar wieder zu verkaufen, was sich anfangs als schwierig erwies, da die meisten Inder eben selbst mit Coupons oder, was noch häufiger der Fall war, gleich mit ihrer Platin-Kreditkarte bezahlten. Ein Heer an Personal kümmerte sich um die Gäste, was sich in einigen Beispielen als groteske Posse erwies. So gab es auf der Toilette eine Person, welche einem den Wasserhahn auf- und wieder abdrehte, eine Person, die einem daraufhin etwas zum Abtrocknen gab und eine Person die nach einem sofort wieder mit der Reinigung begann. Auch bei der Ankunft mit den Autos, welche obligatorisch beim Einfahren auf Sprengstoff untersucht wurden, gab es 4 Angestellte in entsprechender Aufmachung, welche den ankommenden Gästen die Autotüren öffneten. Im Klub selbst war alles klinisch rein, da sofort nachdem etwas auf den Boden fiel eine Person herbeigeieilt kam, um dies unverzüglich zu entfernen. Mit solchen Indern konnten wir uns finanziell in keinster Weise messen und es gab uns einen Hauch dessen wieder, was der durchschnittliche Inder denken mag, wenn er eben auf uns trifft, wenngleich es uns im Gegensatz zum Großteil der indischen Bevölkerung ja finanziell nicht schlecht geht.
Ein (zahlenmäßig) sicherlich einmaliger Besuch...

Freitag, 19. September 2008

Neuer Rekord!

Vor wenigen Stunden noch schrieb ich in meinem Posting über die Auto-Rikscha. Gerade eben am Heimweg erlebten wir einen neuen Rekord an Menschen, die in einer Auto-Rikscha gleichzeitig mitfuhren. 21, in Worten - EINUNDZWANZIG - , erwachsene Menschen lagen, saßen, standen, stapelten sich, quetschten sich, rangen nach Atem, versuchten alle Gliedmaßen im Inneren zu halten, spürten jedes der unzähligen Schlaglöcher der Straße, wanden sich und trauten ihren Augen nicht. Wer sich jetzt fragt wie so eine Rikscha aussieht, in welcher 21 Menschen mitfahren können, dem sei folgendes Bild zur besseren Vorstellung gegeben.

Regen, Regen...Flut!

Nachdem die ersten drei Wochen die Temperaturen auch nachts kaum unter die 30 Grad Grenze fielen und die Sonne auf uns niederbrannte, regnet es seit zwei Tagen sinnflutartig. Sinnflutartig vielleicht nicht aus mitteleuropäischer Perspektive, jedoch darf man nicht vergessen, dass das Kanalnetz hier nicht äquivalent zu einem Westlichen ist, so überhaupt eines vorhanden ist. Somit bilden sich innerhalb kürzester Zeit kleine Seen, bei denen man nie sicher sein kann, was sich unter der schwarz schimmernden Flüssigkeit befinden könnte. Der Charme einer "Auto-Rikscha", einem Dreiradgefährt mit Motoradmotor, wo im schlimmsten Fall bis zu 15 Menschen mit auf allen Seiten hinaushängenden Gliedern und Körperteilen, beinahe schon übereinander, kreuz und quer gestapelt mitfahren können, lässt gerade bei Regen einen Ausflug, wenn auch nur zum nächsten Markt, zu einem feuchten, gemeint ist ein Gemisch aus Regen von oben und Spritzwasser von unten, Vergnügen werden.
In 30 Minuten gehts los ins Kino und danach in diverse Lokale.

Mittwoch, 17. September 2008

One Night on Campus

Nachdem ich mir gestern ein Stativ zugelegt hatte, probierte ich noch in der selben Nacht ein paar Fotos zu schießen. Ort des Geschehens war das Dach unserer Unterkunft, wo traditionell mehr Alkohol als Regen fließt und des Öfteren der schöne Ausblick über den klaren Himmel und Gurgaon Anlass für philosophische Anregungen bietet. Der bewölkte, kräftige Mond und ein Ausblick vom Campus weg boten Motive. Weiteres Material wird sich in den nächsten Wochen mit Sicherheit ansammeln.





Kino aus dem Einkaufszentrum

Gurgaon muss man sich ungefähr so vorstellen: Tag für Tag schießen immer neue modernste Glastürme in den Himmel, ein neues Shopping Center reiht sich neben dem Nächsten, dazwischen wird gerade die U-Bahn/Hochbahn als Verbindung nach Delhi mit einer riesigen kilometerlangen Baustelle gebaut...doch wohin sind die Slums und dorfähnlichen Strukturen in den letzten 10 Jahren verschwunden? Sie sind noch da, wenn auch dezimiert und geschunden. Ein Shopping Center Komplex endet mit einem Gehsteig und dann folgt...Erde, Gräben, Menschen in Blechhütten, die etwas zu verkaufen versuchen und gleichzeitig da wohnen, Dreck, Schmutz, Gestank. 10 Meter um in eine andere Welt zu gelangen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Klimatisierung der Gebäude, welche einem beim Heraustreten die Hitze wie eine heiße Keule über den Kopf ziehen lässt, durch die Security Guards mit Metalldetektoren und ewig langen Gewehren beim Zutritt zu den Komplexen, wo man sich zwangsläufig wie bei einer Flughafenkontrolle fühlt, durch die Security Guards am Eingang jedes einzelnen Geschäfts, die einem beim Betreten alles abnehmen, durch die Menschen, die entweder Ausländer sind oder aus der oberen indischen Mittelschicht stammen und durch die identen Geschäfte, die man auch in jedem europäischen Einkaufszentrum finden würde.

Gestern Abend gabs einen Kinofilm zu sehen für 2,50 Euro. Auch hier wieder Metalldetektoren vor dem Betreten des Kinosaals und abtasten wie vor einem Wiener Derby im Hanappi Stadion. Ansonsten sah alles mindestens so modern aus wie in Europa und auch die Zuseher verhielten sich unindisch, steril, europäisch konditioniert.

Gurgaon in 10 Jahren wird wiederum ganz anders als heute aussehen.

Dienstag, 16. September 2008

Wasser

Hier am Campus gibt es drei Arten von Wasser, von welchen unter anderem das gesundheitliche Befinden abhängt.

Nummer 1: Wasser aus der Leitung - Trinken wird "nicht empfohlen", Zähneputzen für Europäer ist kritisch
Nummer 2: "purified water" - Filteranlagen machen aus Leitungswasser Trinkwasser, doch auch hier muss man sich erst langsam daran gewöhnen, jeden Tag ein wenig mehr davon probieren; hält man sich dagegen nicht an diese Gewöhnungsmaßnahme, kann sich die auf der Toilette verbrachte Zeit rasch vervielfachen
Nummer 3: "bottled water" - gekauftes Wasser aus der Flasche, 100%ig sicher, wenn man acht gibt, dass die Flasche vor dem Kauf nicht schon einmal nachgefüllt worden ist

Ich persönlich verwende momentan Nummer 1 nur zum Hände waschen und duschen, Nummer 2 zum gelegentlichen Trinken und Nummer 3 zum Zähne putzen und als Getränk. Die Inder an der Uni dagegen ersparen sich Nummer 3, trinken Nummer 2 und verwenden für den Rest Nummer 1.
Simpel, nicht?

Montag, 15. September 2008

Amritsar und Chandigarh

Das Wochenende sollte somit mit einer langen nächtlichen Fahrt beginnen, welche aber durchaus gut überstanden wurde und mit der Ankunft zu studentischer Frühstückszeit den Tag schon einmal gut beginnen lies. Bloßfüßig, aber, wie sich später heausstellen würde, ohne sich einen Fußpilz einzufangen, durften wir die Sikh-Heiligtümer betreten und es war natürlich surreal. Der goldene Tempel aus Büchern und Fotos glänzte plötzlich zwischen Sonne und Wasser in der Realität. Diese Eindrücke mussten erst einmal verdaut werden. Am Nachmittag fuhren wir dann zur pakistanisch-indischen Grenze, um das pompöse Spektakel einer Grenzschließung zweier Atommächte zu beobachten, und die Tribünen waren prall gefüllt, als beide Seiten mit immer lauter werdender Musik und Propaganda sich zu übertrumpfen versuchten. Ein groteskes Bild in jeglicher Hinsicht.
Am nächsten Tag ging es gegen Abend weiter nach Chandigarh, eine nach der Unabhängigkeit und Teilung Indiens von Architekten geplante Gartenstadt, die mit ihren rund 900 000 Einwohnern jedem Besucher den Eindruck vermitteln lies, sich nicht mehr in Indien zu befinden. Lange, saubere, grüne Straßenallen, schachbrettartig angelegt und sortiert mit riesigen Gartenanlagen, die dem Besucher ausreichend Erholung bieten sollten. Ein Kontrast zum staubigen und hektischen Amritsar!
Just bei der Ankunft in Chandigarh trudelten auch schon SMS Nachrichten auf meinem Handy ein über die unmittelbar erfolgten Bombenanschläge in Delhi, wo wir eben am Connaught Place einen Samstag davor noch zum Abendessen ein Restaurant besucht hatten.
Sonntag Nachmittag hieß Rückreise und gegen Mitternacht öffneten sich nach einem ereignisreichen Wochenende die Tore am Campusgelände, wo wir bei der im Freien stehenden Nachtkantine alles Vorangegangene bei einem Snack ausklingen ließen.




Donnerstag, 11. September 2008

Auf gehts!

Noch zwei Stunden bis zur Abfahrt gegen 23 Uhr. Irgendwann in der Früh werden wir dann unser Ziel Amritsar erreichen und wahrscheinlich totmüde in den neuen Tag starten. Das Abendessen lasse ich heute aus, um nicht während der Fahrt ohne Toilette Probleme zu bekommen. Einigen geht es schon ein wenig anders in Bezug auf ihren Stoffwechsel. Da wurde dann auch schon mal verzweifelt nach Toilettenpapier gesucht, als es im Unterricht dringend wurde. Zum Glück gehts mir aber noch gut. An die Hitze gewöhnt man sich nach einigen Tagen, schlimmer als im Juni in Westafrika ist es so oder so nicht. Jeder Tag vergeht wie im Flug und es gibt kaum einmal einen Abend, wo nicht irgend etwas auf dem Programm steht. Und sei es auch nur der Goldene Tempel von Amritsar, wie es morgen der Fall sein wird.

Mittwoch, 10. September 2008

Wochenende am Donnerstag

Im Prinzip ist die Woche schon wieder gelaufen, unimäßig gesehen. Morgen Donnerstag noch drei Kurse und das Wochenende steht bevor. Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt, werden wir uns mit zwei großen Chevrolet Autos in Richtung pakistanische Grenze bewegen, um am Morgen in Amritsar anzukommen. Im Westen genießt der Ort natürlich wegen dem von Indira Gandhi am 5.Juni 1984 befohlenen Sturm auf den Goldenen Tempel, in welchem sich der militante Sikh-Führer Jarnail Singh Bhindranwale verschanzt hatte, traurige Berühmtheit. 500 Menschen kamen dabei ums Leben und wenige Monate später Indira Gandhi selbst, die von ihren Sikh Leibwächtern erschossen wurde, was wiederum einigen tausenden Menschen in der Folge das Leben kostete.

Dienstag, 9. September 2008

"Das Unangenehme" ist da!

Irgendwann musste es ja so kommen und über den Hauptzweck eines Auslandssemesters, reisen und Spaß haben, seinen Schatten werfen, die Kurse an der Uni. Die Müdigkeit, speziell nach einem kräfteraubendem Fußballmatch am Vortag gegen die flinken Inder, welche teilweise sogar ohne Schuhe spielten, machte das Aufstehen in der Früh zu einer Qual. Letztendlich half alles Selbstmitleid nichts mehr und die Arbeit musste beginnen. In den klimatisierten Räumen brachte insbesonders die indische Sichtweise verglichen mit unserem europäischen Verständnis von wirtschaftlichen Belangen eine neue Komponente in die sonst immer gleich verlaufenden Kurse an einer Universität ein. Wenn jetzt noch Mittwoch und Donnerstag überstanden werden, wartet auch schon wieder das Wochenende für die eine oder andere Reise durch die indischen Weiten des Landes.

Montag, 8. September 2008

Delhi News on Sunday

Nachdem gestern am gesamten Campus das Internet ausgefallen war und erst in der Früh wieder hergestellt werden konnte, war es mit einem Schlag aus mit der weiten Welt des Internets.
Nichtsdestotrotz waren wir gestern das erste Mal auf einem Trip nach Delhi. Unser neues Zuhause Gurgaon, eine rund 25 Kilometer vom Zentrum entfernte Satellitenstadt von Delhi, wo sich in den letzten Jahren schon die größten Unternehmen der Welt Standorte zugelegt haben und wo die Einkaufszentren dicht gedrängt am Ghetto nicht nur aus dem Boden schießen, sondern auch in Bezug auf Modernität und Design Orte wie unsere Shopping City Süd oder um ganz tief gehen zu wollen, die Lugner City, bei weitem übertreffen, war für uns alle eine spannende Angelegenheit. Da die U-Bahn erst 2010 von hier nach Delhi führen wird und wir uns den Bus dieses mal noch ersparen wollten, mieteten wir uns für 8 Stunden ein Taxi samt Fahrer für rund 15 Euro. Damit waren wir äußerst mobil, was in einer derart weitläufigen Stadt wie Delhi ein Segen ist. Als erstes fuhren wir zur größten Moschee Indiens, die Jama Masjid, welche rund 25000 Gläubigen Platz bietet. Gleich daneben wühlten wir uns durch die engen Gassen des Marktes und es war erstaunlich welche Vielfältigkeit die muslimisch geprägten Geschäfte zu bieten hatten. Den Abschluss des Tages bildete ein Essen in einem der gehobeneren Restaurants von Delhi, wo auch einmal die tatsächlich indische Küche zeigen konnte, wo der Unterschied zu sagen wir indischen Lokalitäten in Wien liegt.
Bei strömendem Regen und auf teilweise überschwemmten Straßen verließen wir Delhi im Dunkel der Nacht und wussten in diesem Moment, dass es noch des Öfteren ein Wiedersehen geben würde.







Samstag, 6. September 2008

Leben am Campus

Eine Reihe von erheblichen Unterschieden zeigt sich beim Leben am Campus. War es schon bei meinem Auslandssemester in Vancouver ein ziemlich anderes Gefühl als bei unserem weit verstreuten Unileben in Wien, so ist es hier in Gurgaon von einer ganz anderen Qualität. Die Mauern des Campus trennen einen von der Umgebung wodurch sich im Innenleben eine spezielle Dynamik entwickelt. Kurz gesagt: "It's like a village". Jeder kennt im Endeffekt jeden und man trifft ständig irgendwelche Leute und erfährt so auch die aktuellsten News. Komplett unterschiedlich ist auch der Zugang von inländischen zu ausländischen Studenten. War es in Kanada so, dass sich die freizeitlichen Kontakte großteils auf die anderen Austauschstudenten bezog, so sind die Inder weitaus offener und es entsteht eine Durchmischung. Man wird eingeladen sich an den Aktivitäten zu beteiligen, man wird spendabel umsorgt und kann in Bezug auf Fragen und Probleme zu jeder Uhrzeit, und es mag drei Uhr in der Früh sein, mit der vollsten Unterstützung und Einsatz durch die indischen Studenten rechnen. Man könnte anmerken, dass dies hier im Gegensatz zum Semester in Vancouver ein MBA Programm darstellt und somit dieses andere Verhältnis begründen, doch der Eindruck, dass dies in jeder Art von universitärem Leben so sein würde, wiegt tatsächlich stärker und überzeut in allen Belangen.

Freitag, 5. September 2008

Indische Bürokratie

Wer sich Zeit seines Lebens über die österreichische Bürokratie geärgert hat, hat die indische noch nicht erlebt. Formulare mit Fotos in unterschiedlichsten Größen, wie zum Beispiel "stamp size", "passport size" oder "regular size", müssen ausgefüllt, unterschrieben, da und dort hingebracht werden zu den und den Zeitpunkten usw., auch wenn man letztendlich einen nicht unbeträchtlicheren Mehraufwand hatte, als nötig gewesen wäre. Doch mit dem allbekannten Spruch erkennt man am Ende schnell einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu Österreich, "Everything is possible".

Donnerstag, 4. September 2008

Das richtige Indien

Heute gingen mein Roommate aus Belgien und ich zum ersten Mal hinaus aus dem Campus in das tatsächliche und nicht innerhalb der Mauern des Universitätsgeländes geschützten Raumes liegende Indien, um in einem Markt-Viertel etwas einzukaufen. Vor allem eine indische SIM-Karte fürs Handy war uns wichtig. Natürlich auch Toilettenpapier, welches als ein hauptsächlich von Ausländern genutztes Produkt, sich als teurer als in Österreich erwies. Hin und zurück fuhren wir in einer Fahrradrikscha für zusammen knapp 25 Cent pro Richtung. Dabei strampelte ein Fahrer bei sengender Hitze, mit uns auf einem speziellen Rücksitz sitzend, durch die scheinbar ohne Verkehrsregeln benutzten Straßen und es scheint den Indern ein Sport zu sein inmitten der von Eseln, Kühen, Fahrrädern, Motorrädern, Fußgängern, Autos und Bussen durchzogenen Straßen unaufhörlich hupen zu müssen. Erschöpft, aber unversehrt, gelangten wir schlussendlich wieder in der sicheren Hafen der Universität.

Mittwoch, 3. September 2008

Spartanische Monate

Ein Zimmer besteht aus 2 Betten, 2 Schreibtischen, 2 Sesseln, 2 Wandschränken, 2 Neonröhren, einem Vorhang sowie einem Ventilator. Wer sich Hotel Maharadscha erwartet hat ist spätestens nach der Ankunft seiner Illusionen beraubt. Keine Überraschung also. Dennoch eine sehr gute Gelegenheit wieder ein wenig herunter zu kommen von der westlichen Selbstverständlichkeit. Meine 2 Zimmerservice-Freunde dagegen schlafen lediglich auf einer Decke liegend am Flur ein paar Gänge entfernt. Sie bewundern die Zimmer der Studenten.

Dienstag, 2. September 2008

Service auf indisch

Jeden Tag werden hier die Zimmer gereinigt und auf Wunsch das Bettzeug gewechselt. Diese Prozedur verläuft folgendermaßen: Vier Personen haben ihre Aufgaben und Rollenverteilung. Zwei kümmern sich um den Small Talk und machen das Bett. Die zwei anderen sind zuständig für nasse Angelegenheiten, wie Boden aufwischen, aber auch abstauben. Hierarchisch gesehen sind erstere höhergestellt. Der Small Talk wird lediglich durch ein sprachliches Problem erschwert. Keiner der vier spricht Englisch, sondern alle nur Hindi. Aus diesem Grund habe ich mich mit einem deutschen Kollegen entschlossen, ihnen schrittweise Deutsch beizubringen. Jeden Tag ein wenig mehr. Die ersten Worte waren "Handtuch", "Laken" und "wechseln".

Montag, 1. September 2008

Living in India

In unbekannten Situationen werden die elementarsten Bedürfnisse zur wichtigsten Priorität. Essen, Toilette, Schlafen.
Zum Essen kann ich noch nicht viel sagen, weil ich bis jetzt noch nichts gegessen habe und zum Schlafen bin ich nur sehr wenig gekommen. Der laute Ventilator und die konträre Hitze machten eine Entscheidung zwischen eben diesen beiden Alternativen äußerst schwer.
Dafür wurde mir schon das Prozedere eines schwereren Toilettengangs nähergebracht. Toilettenpapier und Klodeckel werden dabei durch Wasser und Loch im Boden ersetzt. Wer sich jetzt fragt, wie das funktionieren soll, dem sei folgendes Video "Beginners guide to the Indian toilet" zu empfehlen: