Nach dem wunderschönen Darjeeling ging es also einen Tag später weiter ins spirituelle, alte, aber auch verdreckte, beengte Varanasi. Die älteste Stadt der Welt zeigte sich uns gleich von seiner hässlichen Seite. Überall Menschen, die versuchen mit Touristen Geld zu machen. Dabei wird mitunter auch Druck erzeugt, der eigene Spielraum eingeschränkt und die Nerven des Belagerten beansprucht. Wem kann man vertrauen, wem nicht, wird schon bei einfachen Fragen nach dem Weg zu einem Ratespiel. In den engen, verwinkelten Gassen der Altstadt an den Ghats begegnen einem neben Abfall, Scheisse und Undefinierbarem auch noch unzählige Kühe, eine Heerschar von teilweise agressiven Affen und herrenlose Hunde. Als ich einmal eine Kuh mit Blitz fotographierte wurde ich beinahe Opfer einer dieser Affenbanden, die sofort mit großer Geschwindigkeit von den Dächern wild fauchend und schreiend angeklettert kamen. Ein kleiner Spalt zwischen Kuh und Mauer ermöglichte mir sichtlich geschockt die Flucht.
Dass Varanasi auch beeindruckendes zu bieten hat, ist sicher nicht abzustreiten. Der Sonnenaufgang auf einem Boot an den Ghats des Ganges, die Verbrennungsbegräbnisse direkt am Wasser, die unglaubliche Verbautheit der alten Architektur und natürlich die engen Bazarmärkte lassen Varanasi zu einer einzigartigen Stadt in Indien werden.
Nichtsdestotrotz war ich bei der Weiterreise nach Lucknow froh, diesen Ort wieder verlassen zu können. Zu sehr beengten die engen Gassen und die vielen Menschen meine Gedanken und Ideen, ja man kann sagen sie schnürten sie im wahrsten Sinne des Wortes gänzlich ein.
Lucknow dagegen erwies sich als das genaue Gegenteil von Varanasi. Mit über 2 Mio Einwohnern doppelt so groß, erstreckt sich die Stadt über eine riesige Fläche hinweg. Unzählige Kolonialbauten und Ruinen erinnern hier an die britische Herrschaftszeit. Anstatt Begräbnissen finden hier unzählige riesige indische Hochzeitsfeiern statt. Relative Sauberkeit und moderne Einrichtungen ergeben ein durchaus positives Bild dieser von westlichen Touristen weitgehend unbeachteten Stadt. Der Nachteil dabei ist, dass man als aus dem Westen kommend ständig Zielobjekt von Fotoapparaten ist und andauernd angestarrt wird.
Somit war es dann doch ein recht anstrengender Trip, der mit einer 90-minütigen Verspätung des Zuges nach Delhi ein recht typisches Ende fand.
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